Eine Gutwoge, eine Gutwoge!

Hard winter in Hamburg

Hard winter in Hamburg

Gut, wer bei solchen Straßenverhältnissen (oder dem, was die Freie und Hansestadt Hamburg so darunter verstehen mag) im Auto, wohlgemerkt mit Allwetter- und daher mit nicht adäquater Bereifung, durch die Gegend rutschen muss, der ist irgendwie echt arm dran. Auch ein Pflegedienst muss, ob er will oder nicht, 365 Tage im Jahr und bei jedem Wetter Patienten… Verzeihung: Klienten oder Kunden… anfahren. (Das heißt wirklich so, lachen Sie nicht!) Das Ende vom Lied: Deutlich verlängerte Fahr- und somit Arbeitzzeiten. Lustige Rutscheinlagen und alle Nase lang Anfahrschwierigkeiten inklusive.

Aber Moment, es ging ja um eine Gutwoge, und das Versäumnis der zuständigen Räumdienste, die Fahrwege von Schnee und vor allem Eisplatten zu befreien, erfüllt die notwendigen Kriterien, die wir von den Wahnwogen an eine Gutwoge stellen, nicht. Und dieser Winter ist zwar hübsch anzusehen, aber auf der Straße auch keine positive Erscheinung.

Die Gutwoge war leise, ein flüchtiger Moment nur, quasi zwischen Tür und Angel, aber sie war nachhaltig. Und das kam so: Ich hatte irgendwann Hunger. Sonst halte ich ihn meist hin, den knurrigen Kollegen, aber mit der Aussicht, erst nach 23 Uhr fertig zu sein, gelang genau das nicht. Es war kurz vor 8 abends, eine Tankstelle lag am Weg, und solche Dienstleister haben nicht nur Benzin, sondern in der Regel auch Backwaren. Es gelang mir, die ausgefahrenen Eisrillen zu verlassen, die festgefahrenen Schneehügelchen zu überwinden und das Ziel meiner Begierde zu erreichen. Zwei überbackene Käsebrötchen gewählt, die Geldbörse im Anschlag — da schwappte die Gutwoge über mich herein. Kurz, schmerzlos, irgendwie wunderbar. Die sehr freundliche und angenehm entspannte junge Frau hinter dem Schalter schüttelte den Kopf — sie wollte kein Geld. „Es ist spät, die kauft jetzt eh keiner mehr.“ Ich dankte höflich, leicht verwirrt, obschon innerlich hocherfreut, wünschte einen wundervollen Abend und trollte mich.

Ob Sie’s glauben oder nicht: Bei jedem Biss in die Backwaren freute ich mir ein Loch in die Mütze! Nachdem ich beide Teilchen verspeist hatte, war meine Mütze durchlöchert wie osteoporotisch veränderte Spongiosa.

Das es so etwas noch gibt… (Brötchen gratis, meine ich, nicht zerlöcherte Kopfbedeckungen.)

In diesem Sinne…

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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