Dresden hat ausgeerbt

Liebe Dresdnerinnen und Dresdner,

die als Exekutive, Legislative oder schlichtweg als Bürgerinnen und Bürger für die Waldschlösschenbrücke waren: Ich bin sauer.

Ich bin sauer über die Ignoranz, mit der ihr euch und uns (Deutsche) heftigst blamiert habt.

Ihr werdet sehen, dass ein „ehemaliges Weltkulturerbe“ nicht etwa förderlich, sondern sogar schädlich für den Tourismus ist.

Wenn ihr in wenigen Monaten anfangt über den Tourismuseinbruch zu jammern und nach Subventionen zu rufen, dann werde ich zurückrufen: Das ist selbtgewähltes Leid. Und ich hoffe, Bund und Länder tun den Teufel, euch für die Dummheit und die Ignoranz gegenüber der Unesco auch noch zu entschädigen.

Im Osten, wo man froh sein muss über jeden Euro den man verdient, sollte man eine wichtige Einnahmequelle wie den Tourismus nicht ignorieren. Das sage ich als leidenschaftlicher Bewohner einer Tourismus-bewussten Stadt, die gerade ein Bündel Antragsverfahren für Weltkulturerbestätten anstößt. Und diese Hamburger Antragsverfahren leiden darunter, dass es heißen wird „die Deutschen bauen das doch sowieso in ein paar Jahren kaputt“.

Nein, ich bin kein Besserwessi, sondern habe meine „Geliebte aus dem Reich des Bösen“ so sehr schätzen und lieben gelernt, dass ich sie geheiratet habe. Sie ist in eurer unmittelbarer Nähe aufgewachsen (und mindestens ebenso sauer über eure Dummheit wie ich), ihre Schwester hat bei euch studiert und deren Mann auch. Ich denke, dass die Wiedervereinigung ein absoluter Gewinn ist – gerade auch in menschlicher und charakterlicher Hinsicht; wenn man mal Dresden ausnimmt.

Dresden schadet gerade sich und der Bundesrepublik in einem Maße, dass es mich zornig macht. Und ich werde noch zorniger, wenn ihr (und das sage ich fest voraus) in spätestens sechs Monaten nach Subventionen schreit, weil euch die Touristen „auf unerklärliche Weise“ fern bleiben. Die erste Folge folgt sogleich: 150 Mio-Etat zur Förderung der Weltkulturerbestätte gestrichen.

Dann werde ich bitter lachend auf eure dolle Straße zeigen und euch zurufen: Hey, ihr habt eine Straße gebaut, in der auch meine Steuergelder stecken – im Bewusstsein, dass kein Tourist euch mehr sehen will. Denn die fahren nicht selten die Weltkulturerbestätten ab und lassen alles rechts und links davon ebenda liegen. Das habt ihr gewusst. Ihr wolltet sie nicht, also erfreut euch an eurer fast leeren Straße, die in vielerlei Hinsicht ökologischer Schwachsinn ist und hört auf zu jammern.

Deutsche wissen: Straßenbau löst keine Probleme….

Ralf

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