Lecker Margarinebrot

Drogen sind irgendwie doof. Meist halten sie nicht, was sie versprechen, wirklich cool sind sie auch nicht, weil sie den Verstand außer Kraft setzen, und mit der bewusstseinserweiternden Wirkung ist auch nicht so weit her — zumindest nicht so, wie man sich das erhofft.

Warum mir das gerade heute einfällt, kann ich nicht mal sagen, schließlich liegt die Geschichte schon fast 20 Jahre zurück.

Universitätsstadt Göttingen, Anfang der 90er Jahre. Ich hatte eine WG mit Isi aus Neumünster. Er studierte Soziologie, ich Medizin. Freunde zum Feiern rauschender Feste gab es reichlich, Geld dafür weniger, aber ein wirkliches Problem war das nicht. Will-Bräu aus Motten in Bayern war die Hausmarke, ein billigeres günstigeres Bier war nicht zu bekommen, aber nach dem zweiten konnte man es trinken, vor allem gekühlt. Dazu stand immer Tequila bereit, lecker mit Zitrone und Salz. Manchmal glaubte ich, Zungen seien nur dafür bestimmt, an Handrücken zu lecken…

Dope gab es auf Parties auch mal eigentlich immer, wahlweise als Rauchware oder in Form lustiger Kekse. Ein Mischung aus Dope und Alkohol muss es gewesen sein, die damals zu diesem schrägen Ereignis geführt hat.

Drogen lösen Hungergefühle aus. Unsere Parties waren nicht sonderlich gut bestückt mit Nahrungsmitteln, Canapées und distinguiertes Fingerfood gab es nicht, höchstens mal ordinäre Chips oder Ernussflips. Einer der Gäste, sternhagelvoll und zugeraucht bis zur Schädelkalotte, wollte sich ein Brot machen. So weit, so gut.

Was kann man wohl aus einem Laib Brot und einem Pott Margarine machen? Die Möglichkeiten sind begrenzt, sollte man meinen. Doch durch Drogen induziert, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Um es vorweg zu nehmen: Niemand wurde verletzt, es floss kein Blut, die alte handbetriebene Brotschneidemaschine meiner Großmutter verrichtete ganz vorzüglich ihren Dienst. Aber Brot wurde nicht geschnitten…

Etwas verwundert schauten wir dem jungen Mann zu, wie er sich zwei Scheiben Margarine abschnitt. (Und da in der Rinde die Kraft steckt, wie wir alle wissen, blieb die Plastikumverpackung drum). Auf den Margarinescheiben wurde dann mit einem Messer fein säuberlich das Brot verteilt. Nach alter Väter Sitte vorsichtig aufgestrichen.

Ja, und gegessen hat er sein Werk auch noch. Allerdings ohne Rinde. Die kaute sich wohl nicht so gut, schätze ich.

Advertisements

Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
Dieser Beitrag wurde unter BemerkensWert, Humanoide, Oh jemineh abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Lecker Margarinebrot

  1. Pingback: Na bitte, et jeht doch: Der BGH hat mehr Humor als das OLG HH « Wahnwogen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s