Die Tierliebe der Pluto-Schwestern

Es leben zwei Schwestern, die Schwestern Pluto, nicht schräg, sondern sternhagelvoll-freundlich in exakt gerader Richtung vis-a-vis. Von unserem Rudel aus gesehen, ist das etwa zwei Meter dreiundzwanzig entfernt, dann knallt man vor die Eingangstüre, so sie nicht offen steht. (Die Luftlinienentfernung ist exakt gleich, denn es ist ja in genau direkter Linie, ein Erkennungsmerkmal einer jeden Luftlinie.)

Die größere der Schwestern Pluto hatte einen Hamster. Eines dieser putzigen kleinen Nagetiere, die vornehmlich nachaktiv sind und jedes feminine Kinderherz erfreuen. (Vielleicht hatte der Hamster auch sie, wer weiß das schon so genau.) Dieses kleine Säugetier jedenfalls ist fort. Gegangen qusi. Nach Darstellung der Mädchen von selbst. Bei Lichte betrachtet jedoch ist es nahezu unmöglich, dass ein wenige Zentimeter großes Fellknäuel innen an seiner Behausung hinaufklettern, eine gesicherte Käfigtür öffnen, durch diese verschwinden und zudem noch die Balkonummauerung erklimmen kann. So etwas passiert lediglich in Filmen. (Und unser Leben hier ist, soweit mir bekannt, kein derartiges.)
Die kleinere Pluto-Schwester nimmt den Verlust eher gelassen, die Welt ist spannend genug und ihr Denkorgan ausreichend mit Schabernack gefüllt, um dieses Verlust weitgehend schadfrei zu überstehen. Eine gewisse Indolenz ihrerseits, auch sonst regelhaft an den Tag gelegt, ist dabei nicht abträglich, ganz gewiss nicht.

Wir haben zwei größere Fellknäuel, um ein vielfaches größer, um exakt zu sein. Zwei — mit vier kräftigen Eckzähnen und einem typischen Raubtiergebiss sowie scharfen gebogenen, in Ruhe durch elastische Bänder zurückziehbaren Krallen ausgestattete — Säugetiere aus der Familie der Feliden. Diese, unsere Freunde waren bereits zu Hamsters Zeiten häufig Objekt der Begierde, nach dessen Befreiung aus dem Serail jedoch fokussiert sich die gesamte Liebe der Gören Mädchen darauf. Das bringt gewisse Unannehmlichkeiten und Einschränkungen mit sich: Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht an unserer Haustür geläutet und um Einlass gebeten wird. Solange entsprechend gefragt wird, mag man sich gerade noch damit arrangieren, schließlich kann man auch Nein sagen. Zwischenzeitlich scheint sich aber so etwas wie ein Gewohnheitsrecht breitgemacht zu haben.

Die Lendensprösse des Hauses Pluto zeigen die Zurückhaltung von großen, schweren Kettenfahrzeugen der Armee, ein Nein unsererseits wird maximal als Kann-Bestimmung ausgelegt, und so verschafften sie sich gestern ungebeten Zugang zur Wohnung.

„Wir wollen die Katzen angucken!“
Ja, das mochte wohl angehen, der Wunsch ist verständlich, sind Felide doch wesentlich spannender als die Ausscheidungen von Ruderfußkrebsen, möglicherweise ganz bestimmt sogar spannender als Hamster, aber wir hatten Nein gesagt.
Doch ehe wir uns versahen, standen sie in der Wohnung.

„Wo sind die Katzen? Die sollen jetzt hierher kommen.“
Über die Erziehbarkeit von Katzen respektive das eklatante Fehlen derselben ist schon vielfach berichtet worden, das Wissen darum gehört nachgerade zum kollektiven Vermächtnis der Menschheit, nur an den Schwestern Pluto scheint es vorbei gegangen zu sein. Auch der Umstand, dass beide nicht den direkten Weg von gegenüber, sondern jenen von draußen, aus dem Regen, genommen haben, schien nicht weiter von Belang zu sein.

„Wir haben gerade gesaugt und gewischt!“, wurde ihnen mitgeteilt. (Den Pluto-Schwestern, nicht den Katzen.) Wenn sie schon hier einfallen wie Dschingis Khans Horden, sollten sie doch wenigstens die Straßenschuhe ausziehen. Die Horden des Mongolenführers haben das sicherlich nicht getan, warum also sollten die Pluto-Schwestern?

Eines ist, zu meiner Verwunderung, gestern unterblieben: Die Mädchen haben nicht die Wohnung nach Essbarem abgesucht. Richtig gelesen, auch der freundliche Hinweis, wir seien kein Selbstbedienungsladen, wird normalerweise von den neunköpfogen Raupen ignoriert. Oft, allzu oft wurden die Plutos in der Küche dabei ertappt, wie sie sich gierig aus den Zerealien-Packungen bedient haben. Die Wangentaschen bis zum Bersten gefüllt, des Sprechens eigentlich nicht mehr mächtig, stampfen sie dann umher, mit einem debilen Grinsen triumphalen Lächen im Gesicht. Unser Pech, dass sie trotzdem Worte zu artikulieren versuchen — und dabei dem Bodenbelag eine Art Sprenkeloptik verpassen. Manchmal auch dem Schrank oder den Sofas, je nach Aktivität, Befüllungszustand des Kopfdarms und zurückgelegter Laufstrecke.

Um aber nicht ganz spurlos zu verschwinden, haben die Geschwister Pluto am gestrigen Tage wenigstens die Abdrücke ihrer Sohlen großflächig verteilt. Danke dafür an dieser Stelle!

Das Trauma der Katzen sollte sich in Grenzen halten, schließlich leben sie mit fünf- beziehungsweise sechsjährigen Zerstörern Jungs zusammen, Putzen gehört ohnehin zu unseren liebsten Beschäftigungen. Aber der nächste Überfall Besuch der Pluto-Sisters lässt bestimmt nicht lange auf sich warten — garantiert wieder uneingeladen, garantiert auch wieder mit Kollateralschäden.

In diesem Sinne…

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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