BemerkensWert: Tagesnachlese vom 19.3.09

Dieser Tag begann mit einer Überraschung: Da in Hamburg derzeit „Frühjahrsferien“ (in der Hansestadt selbst als „Hamburger Skiferien“ bekannt) sind, ist die arbeitende Bevölkerung auf Tagesmütter, Großeltern, einen schalldichten Keller (DAS habe ich nicht geschrieben, in Ordnung?) — oder Institutionen wie den Hort angewiesen. Das klappt auch an und Pfirsich sehr gut, aber wenn der Hort einen Ausflug plant, der Sohn jedoch keine entsprechende Info erstattet — dann steht man(n) schon mal vor verschlossenen Türen. Also eine spontane Umstellung des Tagesablaufs, resultierend in einem schönen freien Tag mit der Leibesfrucht — und das bei Kaiserwetter. Tagesausklang mit Kino — der neue „Drei ???“-Film. Unterhaltsam soweit, gut gemacht. Erinnerungen bahnten sich dabei ihren Weg aus verschollenen Hirnwinkeln, wohlige Erinnerungen an früher.

Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als es weder Compact Disks noch Digital Versatile Disks; Privatfernsehen, Videokonsolen, Mobiltelefone und all diesen neumodernischen Kokolores und Nippes gab? Ja, echt? Hatten Sie auch Langspielplatten aus Vinyl, Cassetten, im Fernsehgerät drei Sender (vier, wenn DDR Eins empfangbar war) und jede Menge Bücher? Alle damals erhältlichen „Drei ???“-Bücher habe ich mehrfach gelesen, manchmal sogar von hinten nach vorne. Ein paar Cassetten davon gab’s, gehortete Schätze, neben „Enid Blyton’s Fünf Freunde“. Dauerhörgenuss auf dem Radiorekorder am Bett, im Anschluss Dauerlesen mit Taschenlampe unter der Bettdecke. Wer wollten Sie immer sein? Justus, Peter oder Bob? Also, keiner wollte damals Bob sein. Lieber Peter, der Recke.

Doch nun zum Tagesgeschäft: Rückblickzeit bei den wahnwogen. Nachdem Alexander Endl, bezugnehmend auf den letzten Tagesrückblick, den Basic Thinking-Blog-Eintrag zum Thema „Wildes Treiben in Second Life“ als „Schmarrn“ bezeichnet und unseren Artikel als Beispiel für die  Verbreitung des Schmarrns herangezogen hat, werde ich mich nun unverfänglicheren Themen zuwenden. (Aber endl.de behalten wir genau im Auge — das haben die nun davon!) Wenn es denn unverfängliche Themen überhaupt gibt. Stellen Sie sich vor, ich zitiere hier einen Artikel über mundgeklöppelte Ohrenwärmerbommeln, und plötzlich kommt ein Experte, der feststellt, dass die Anleitung „Schmarrn“ ist — wie stünde ich denn dann da?

Zum Amoklauf von Winnenden habe ich viel Reißerisches gelesen, traurige Ereignisse wie diese machen Quote bei der Journaille. Zum Zusammenhang zwischen Medien und Verbrechen hatte ich vor einigen Tagen meine Gedanken hier gepostet. Bei endl.de habe ich zu diesem Thema einen intelligenten Artikel gelesen: „Am Ende schaffen sie es auf das Titelbild„. Nachschieben möchte ich noch das hier. Und, passend zur Diskussion über Verbote von Killerspielen, die immer noch auf großer Flamme kocht, berichtet „BildBlog“ über das Engagement der BILD gegen gewaltverherrlichende Spiele, während eines der kritisierten Spiele im Download-Bereich von Bild.de käuflich zu erwerben ist.

Achter beschäftigt sich mit der Umweltprämie — auch für Radfahrer. Warum die vermeintliche Umweltprämie aus Sicht der Wahnwogenden keine solche, sondern eher eine Wirtschaftsanschub-Prämie ist, wurde hier auch vor einigen Wochen beschrieben. Die Aktion des Verkehrsclub Deutschland, welche die Behörden in arge Unruhe versetzt, kann hier nachgelesen werden.

Das Formular für den „Durchbruch in der alternativmedizinischen Feldforschung“ hat mir mindestens neun Lachtränchen in die Augenwinkel getrieben — ich wollte es längst hier verlinkt haben, aber irgendwie ist es hinten runter gefallen. Besonders hat mir der Abschnitt mit den Therapien gefallen. Aber lesen Sie selbst.

Cindy von der „Blogwieseist jetzt Susan — eine liebenswerte, ungeschickte Romantikerin mit hoher Fettnapf-Treffsicherheit — und ein „desperate housewife“. Sollte sich daraus etwa eine ernsthafte Identitätskrise entwickeln? Den Test, für den Fall, dass auch Sie wissen wollen, welcher der verzweifelten Hausfrauen Sie von Ihrem Wesen her am nächsten sind, können Sie hier absolvieren.

Dieses Fundstück ist schon etwas älter — aber man kann ja auch mal ein Fundstück verlegen, nicht wahr? Bei „Jovelblog“ gibt es „bemerkenswerte Wohnraumanzeigen„. So einen Schrankmitbewohner auf 2 Quadratmetern könnte ich mir in unserer Wohnung auch vorstellen — ansonsten hätten wir im Gästebad noch eine selten benutzte Dusche, die ich für 287,- € zur Anmietung anbieten könnte, wenn der Kontostand dies verlangen sollte. Ecki empfindet offensichtlich Internet-Stress — manchmal ertappe  ich mich dabei, diesen auch im Nacken zu spüren wie die Reisszene Reißzähne eines Raubtieres. Meine Frau schlug neulich vor, ich sollte dem Rechner mal einen Ehering verpassen und ihn zum Jahrestag zum Essen ausführen. Seitdem bin ich sehr nachdenklich:

  1. An welcher Stelle kann ich den Ring anbringen?
  2. Welche Ernährungspräferenzen hat mein Rechner?
  3. Da im Haushalt mehrere Computer herumstehen: Ist Vielrechnerei in Deutschland statthaft? Und falls nicht: Welchen Rechner wähle ich, ohne die anderen zu brüskieren?

Viele Fragen, keine Antworten. Dafür aber tut sich beim „Deutschpopjungen“ etwas: Er ist beim Musik-Magazin „myoon.com“ angekommen. Wer das Lied „Wissen ist Ohnmacht“ noch nicht kennt: Hier geht’s zum kostenfreien Download.

„Music was my first love / and it will be my last“ — das als Schlusswort nach dem Hinweis auf dem Deutschpopjungen dem ihn seine Musik. Twittern war heute nicht drin — ergo gibt es auch keine Zwitschereien. (Davon aber geht die Welt bestimmt nicht unter! Früher hatten wir auch kein Twitter, aber dafür jede Menge „Drei ???“-Bücher…)

In diesem Sinne…

J.

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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Eine Antwort zu BemerkensWert: Tagesnachlese vom 19.3.09

  1. Schweizer Taschenmesser schreibt:

    Siehste, es geht halt den Menschen wie den Leuten. Dass der Hort am Montag (also vor ner ganzen Weile schon) einen Ausflug ins Pandino geplant hatte, erfuhr ich heute von dem zu (gefühlten) A10 Format gefalteten Zettel, den meine Frau Mama aus irgendeiner Tasche meines Kron-Sohns gefischt hat…. Aber wir hatten Glück, er durfte mit….

    Und heute ist ein weiterer Tag mit richtig geilem Wetter und ich sitz wieder 9 Stunden im Büro und ich gehe fast jede Wette mit dir ein, dass morgen, wenn wir an die Ostsee fahren wollen um uns mal bisschen den Wind um die Nase wehen zu lassen, ist wieder Pieselwetter.

    Naja, was solls

    sonnige Grüße
    vom Schweizer Taschenmesser

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