BemerkensWert: Auch der 27. Februar hat eine Tagesnachlese

Ja, wo genau soll ich eigentlich anfangen? Vorne, ein stets gern unters Volk gestreuter Ratschlag. Aber interessiert sich die Welt für meine un-amaazing discoveries beim Hausputz? Dass ich alte, zuvor völlig intakte Modellautos, die mein Leben schon ziemlich lange begleitet haben, mutwillig von Kinderhänden zerlegt im Schlafzimmer unter dem Bett entdeckt habe? Oder meine länger gesuchte Brille, ebenda? Und die Sammlung meiner Söhne, lieblos im zugemüllten „Kinderzimmer“ versteckt, ist die für Sie von Belang?

Zum sogenannten „Kinderzimmer“ gilt es noch anzumerken, dass jeder Strafgefangene, der dort untergebracht worden wäre, zu Recht auf die Nicht-Erfüllung der Genfer Konventionen für Menschenrechte hätte pochen können. Vergessen Sie Isolationshaft, Guantanamo und was immer Ihnen an vergleichbaren Grausamkeiten in den Sinn kommt — betreten Sie das Zimmer meiner Söhne, und Sie wissen, was ich meine. (Ich habe damit gedroht, morgen ein Foto zu machen und es hier der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir werden sehen, was die morgige Tagesnachlese diesbezüglich bereithält.)

Ach ja, der „Schatz“ in eben diesem „Kinderzimmer“: Er beinhaltete neben leeren Schokoriegel-Verpackungen (ach, stimmt ja, für die anderen ist es die vermutlich längste Praline der Welt…), löchrigen Socken mit intensiver Tragenote und völlig zerkratzten CDs auch Kaffeepad-Aufbewahrungsgläser, in denen sich bis zur Unkenntlichkeit getrübte Flüssigkeiten mit aufgelösten Gummibären (Hans Riegel, ich entschuldige mich förmlich  für diese „Vergewaltigung“ von Produkten aus Ihrem Hause) und anderen ominösen Gegenständen befanden. Ja, auch die Entsorgung dieses Schatzes ist mit den Genfer Konventionen nicht in Einklang zu bringen!

Aber ich denke, Ihr Interesse an solchen Auswüchsen ist eher gering ausgeprägt. Daher: „And now for something completely different!“

Der Nachmittag gestaltete sich als Besuchermarathon. Vornehmlich Freundinnen und Freunde der Söhne gaben sich die Klinke in die Hand, dazwischen unser (inzwischen geschiedener) Trauzeuge, der nur einen Kaffee trinken und drei bis 27 Worte wechseln wollte und dafür von seiner Exfrau angepfiffen wurde, die plötzlich vor der Tür stand. Die Kinder hatten Spaß, denke ich. Ich denke jedoch, dass mein Denkprozess jäh unterbrochen wurde. So konnte ich weder die gesetzten Ziele bei der Bearbeitung der Blog-Baustelle erreichen noch die Prüfungsfragen für das nahende Pflegeexamen entwerfen. Aber Sie sind bestimmt auch nicht hier, um sich dieser Problematik zu widmen. Bestimmt denken Sie: „Ich gebe dem Mann mal ’nen Euro für eine halbe Stunde an der Parkuhr, die hört geduldig zu und läuft nicht fort.“ Ich werde mich auch über diesen Sachverhalt nicht weiter auslassen und setze Ihnen lieber einige Netz-Fundstücke vor die Nase.

Taylor Mali, ein Slam-Poet,  ist so ein Fundstück: what teachers make. Im „Quote Snack“ wird die Frage aufgeworfen, ob Anne Frank heutzutage ein Blogger wäre und wie ein Aktivist schreiben würde. Im „Mobilitäts-Manager“ wird über die Einrichtung von Münztoiletten bei einem bekannten Billigfluglinie berichtet. Und der Vatikan, der Williamson vor kurzer Zeit einfach so wieder unter das katholische Deckmäntelchen geholt hat, findet dessen derzeitiges Zurückrudern nicht ausreichend. (Ja, Jungs, werdet Ihr Euch denn da auch mal einig?)

Und die Krise? Sie ist noch da, klar. Aber ich stelle eine gewisse Abstumpfung fest. (Vielleicht ist es auch eine Gewöhnung an den Dauerriesel schlechter Nachrichten.) Was fällt dazwischen auf?
Die armen Daimler-Vorstände müssen Abschläge beim Gehalt hinnehmen, das Bruttoinlandsprodukt der USA rauscht ab (Obama sollte vielleicht die Spider Murphy Gang ins Boot holen; wir erinnern uns: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt / wir steigern das Bruttosozialprodukt“ — ein guter Plan, günstig noch obendrein!).

Hängengeblieben bin ich auch an der Bildergalerie der beliebtesten Frauen- und Männerautos, (Apropos: Opel will sich ja von Mama, den General-Motoren, lösen), und auf Pauli gab es einen Trauerzug für Domenica.

Getwittert wurde u.a. diese Nachricht: „Kind ist abgeliefert.. Mann telefoniert… Und ich muss pipi!!!“ Ich weiß nicht genau warum, aber ich mag solche Meldungen aus dem Mikrokosmos der Normalität. Vielleicht hatten Sie ja doch Interesse an meinen Räum-Entdeckungen?

In diesem Sinne

J.

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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