Vom Lieblingssport der Politiker

Wissen Sie eigentlich, was der Lieblingssport unserer Politiker ist?

Nein, falsch, die Verbalakrobatik ist es nicht.

In der letzten Wahnwoge wurden die unsäglichen Äußerungen des Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp M., (der vollständige Name ist den Wahnwogenden bekannt) in ihrer ganzen Anti-Pracht seziert. Jetzt relativiert die Spitze des Eisbergs der Nutzlosigkeit ihre Aussagen.

Womit wir wieder bei der eingangs gestellten Frage nach dem Liebblingssport (oder rheinländisch: „Spocht“) der Politiker angelangt wären:

Dem Zurückrudern.

Wie Bastian Sick in „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ so  treffend bemerkte:

„Seltsam nur, dass man nie liest, wie jemand hinrudert. Man ertappt ihn immer erst beim Zurückrudern.“

Soweit, so klar: Wer zurückrudern möchte, muss erst einmal hinrudern. (Und wenn der Hinweg unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.) So oft, wie im Bundestag gerudert wird, könnte man fast auf die Idee kommen, es handele sich nicht um eine Versammlung von Volksvertretern, sondern um ein Leistungszentrum von Wassersportlern. Betriebsspochtjruppe Bundestach e.V., Spachte (Zurück-)Rudern.

Aber warum muss ständig zurückgerudert werden? Sollten Menschen in exponierten gesellschaftlichen Positionen nicht in ganz besonderem Maße ihre Worte mit sehr viel Bedacht wählen? Wäre damit nicht diesem Breitensport der Politiker Einhalt zu gebieten?

Es kommt dabei auf den Horizont an. Mancher hat ihn, ein anderer nicht. Herr Mißfelder jedenfalls ist zumindest instinktlos. Aber Willy Brandts und Helmut Schmidts wachsen ja auch nicht auf Bäumen. Und wenn man, wie unserer Bundeskanzlerin Merkel, garnicht erst hinrudert, muss man auch nicht zurückrudern. Sie ist wohl keine Anhängerin des Rudersports.

Die Wahnwogenden jedenfalls rudern trotz des relativierenden Zurückruderns nicht zurück. Denn wo wir hinrudern, ist möglicherweise nicht  der Wahrheit letzter Schluß, aber immer unsere Meinung. Und die wechseln wir nicht wie unsere Unterhosen.

In diesem Sinne…

J.

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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