„Völlige soziale Inkompetenz“ im Präsidium der CDU

Philipp Mißfelder, MdB und Mitglied des Präsidiums der CDU Deutschlands:  „Es geht nicht um eine Herabsetzung von Hartz-IV-Empfängern, die häufig unverschuldet in ihre Lebenssituation geraten sind“.

Ein richtiger Satz. Leider nicht der einzige und nicht der erste in diesem Zusammenhang, sondern nur eine Beschwichtigung eines anderen, der vorher gefallen ist. Der erste war (der geneigte Leser möge sich hinsetzen und „genießen“): „Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.“

Er hat also seit 2003 nichts dazugelernt: „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen“

Der gebildete und differenziert denkende Mensch fragt sich beim Lesen dieser Worte, was in diesen Studienabbrecher gefahren sein muss, der (seinem Lebenslauf nach zu urteilen) in seinem ganzen Leben nie normale Arbeit gemacht hat (er ist ja sofort Berufspolitiker geworden, ebenfalls seinem Lebenslauf zu entnehmen) maßt sich also an, mal wieder über eine Bevölkerungsgruppe herzuziehen, von der er gar nichts versteht.

In Zeiten, in denen Banken und anderen Unternehmen die zweistelligen Milliardenbeträge in den Rachen geworfen werden (was die HSH Nordbank und andere nicht davon abhält, an ihre Eigentümer Dividende auszuzahlen!), hacken die Politikprofis (sprich: Die, die vom Leben des einfachen Menschen genau gar nichts verstehen, weil sie diesen gar nicht kennen) auf ein paar ALG II-lern herum, die für ihr Lebensschicksal in aller Regel genau gar nichts können.

Ja, ich kenne eine ganze Reihe solcher Menschen und ich selbst war mal fast so weit, einen solchen Antrag stellen zu müssen. Nur wer DAS hinter sich hat, kann ungefähr ermessen, wie entwürdigend es ist, vor einer Aushilfe (das ist die Regel) in einer ARGE, die einem falsche Rechtsauskünfte erteilt (auch die Regel und selbst erlebt) so richtig die Hosen runterzulassen.

Ja, ich kenne Menschen, die lange gearbeitet haben und damit viel mehr für den Staat getan haben als ein Herr Mißfelder das je schaffen wird (weil seine Karriere — hoffentlich — sehr kurz sein wird), die dann unverschuldet arbeitslos wurden und nach einem Jahr vom gehobenen Mittelstand in die soziale Armut gefallen sind. Ich finde es krank und beschämend, dass ein Staat wie dieser zwar Geld für Unternehmen hat in Größenordnungen, die das System als solches in Frage stellen, für den die Lebensleistung vieler seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger einen Dreck wert ist.

Lieber Herr Mißfelder. Erweisen Sie diesem Land einen Dienst. Machen Sie weiter. Die Tatsache, dass die CDU Deutschland Ihren Sitz in Präsidium nicht einmal für eine Sekunde in Frage stellt, entlarvt diese Partei. Eine Partei, die jemanden in ihrer Führung duldet, der wiederholt mit menschenverachtenden, diskriminierenden Stammtischparolen um sich wirft, zeigt doch, wie unwählbar sie ist (als wenn die Tatenlosigkeit von Frau Merkel dafür nicht reichen würde — Sie erinnern sich? Bundeskanzlerin!)

Wir lesen uns wieder, Herr Mißfelder. Nach Ihrem nächsten Anfall von „ich sag mal was ich wirklich denke“.

Ralf *richtig fett sauer

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Eine Antwort zu „Völlige soziale Inkompetenz“ im Präsidium der CDU

  1. wahnwogen schreibt:

    Die geneigten Blog-Konsumenten mögen verzeihen, dass Ralf und ich nicht wie Kienzle & Hauser ehedem im ZDF zu gepflegten Streitgesprächen neigen, sondern prinzipiell eine ähnliche Ansicht darüber teilen, was eine Wahnwoge ausmacht. Über diesen Herrn Mißfelder gedachte auch ich ein paar Worte zu verlieren. Sein Glück, dass es Ralf getan hat… Solche „Menschen“ (Herr Mißfelder, nicht Ralf!) haben nicht nur nichts in der Berufspolitik und im Präsidium einer Volkspartei zu suchen, sondern sollten lieber garnicht öffentlich reden dürfen. Kennen Sie den Film „Staatsfeind Nr.1“? Dem Protagonisten werden sämtliche Konten gesperrt, seine Kreditkarten sind weniger wert als das Plastik aus dem sie bestehen, und er muss untertauchen. Es bliebe zu wünschen, dass solch einem Dummschwätzer ähnliches widerfährt — ohne jedwedes soziales Netz, versteht sich. Also nicht einmal der Ansatz eines Schatten einer Idee von Sozialleistung. Mit Hunger im Bauch vor McDonalds sitzend, mit breitgetretenen Pommes in den Rillen des Pflasters — und ohne Holzpiekser weit und breit.
    J.

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