Allgemeine Schmutzverletzung

Es gibt Sätze, die scheinen für einen Moment lang das Leben zu verändern.

„Du Mistkerl, ich ziehe aus!“
„Hase, ich bin schwanger!“
„Ich habe mit deinem Bruder geschlafen“

oder eben – wie in diesem Falle:

„Schatz, mein iPhone ist kaputt!“

Wie durch einen einschlagenden Blitz änderte sich die Stimmung im Raum schlagartig. Ein Blick in die Augen des Schweizer Taschenmessers unter den Frauen zeigte mir: Dies ist keine Übung! Mit zitternder Stimme und dazu passenden Händen reichte sie mir das Gerät, das man eigentlich gar nicht „Telefon“ nennen dürfte.

Für den Unkundigen: Wir wollten ein freies iPhone, daher waren wir in Tschechien und haben es dort gekauft – ohne Vertrag, ohne Netlock, ohne SIMlock. Von einer Verkäuferin, die kein Wort deutsch oder englisch sprach. Sowas verkompliziert die Garantieabwicklung natürlich dramatisch! Also erstmal der Versuch der Selbsthilfe.

Und tatsächlich, weder Ohr-Lautsprecher noch Mikrofon arbeiteten. Lediglich der große Lautsprecher „for casual listening“ (Steve Jobs) funktionierte. An einen Hardwarefehler mochte ich nicht glauben, warum sollten Mikrofon und Lautsprecher gleichzeitig ausfallen? Also setzten wir das Handy erstmal zurück. Kein Erfolg.

Beim Herumspielen merkten wir, dass beim Ändern der Lautstärke „Kopfhörer“ angezeigt wurde. Also warfen wir eine hier nicht näher genannte Suchmaschine an und fütterten sie mit den Stichworten „iphone headset defekt“. Unter den Treffern waren mehrere Videos und ein paar Forendiskussionen, die beschrieben, was das Problem war: Ein Fussel oder Ähnliches hatte sich so im Kopfhöreranschluss verklemmt, dass das iPhone „dachte“ (nein, ich traue dem Gerät viel zu, aber DAS nicht) es sei ein Kopfhörer angeschlossen. Demzufolge waren das Mikrofon und der Ohrlautsprecher abgeschaltet.

Ein paar Reinigungsversuche mit Schütteln und Wackeln später zeigte sich: Es ging wieder.

Meine Frau ist in diesen 15 Minuten wahrscheinlich um ein paar Jahre gealtert, aber ab einer gewissen Grenze kommt es auf ein paar Jahre nicht mehr so an….
Ralf *dessen frau seinen bruder zum glück nicht kennt

P.S.: Was Bodo Wartke zum iPhone zu singen hat, sieht man auf seiner Homepage

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Dieser Beitrag wurde unter (Un-)Worte, Chrisis? What Chrisis? abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Allgemeine Schmutzverletzung

  1. Schweizer Taschenmesser schreibt:

    Jaja, aber innerlich Gott oder sonstwem dafür danken, dass es MEIN iPhone war, dass da unter Irrungen und Wirrungen litt und nicht DEINS. 😉

  2. wahnwogen schreibt:

    Ja, denn wie ich als Wahnwogender der ersten und als Freund der zweiten Sekunde weiß, wäre der Co-Wahnwogende R. ohne iPhone wie ein… wie ein… — ach, stellen Sie sich halt das Schrecklichste vor, was möglich ist, potenzieren Sie das mit 43 — und Sie nähern sich Pi mal Daumen der inneren Katastrophe an, die dann eingetreten wäre.
    @ Schweizer Taschenmesser: „Irrungen & Wirrungen“ von Fontane ist eines meiner Lieblingsbücher. Aber die Tragödie des R., quasi „Die neuen Leiden des alten R.„, wären damit nicht einmal im Ansatz hinlänglich beschrieben. (Glücklicherweise kann man hier den Konjunktiv verwenden.)

  3. spanksen schreibt:

    Puuhhh, nochmal Glück gehabt 😉

  4. wahnwogen schreibt:

    Nachtrag zum Artikel: Ich kann nicht zählen, wie oft ich dachte „Gott sei Dank, es ist nicht meins, das kaputt ist“ 🙂

    Ralf

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