Taschentücher

schmetterling_blute_sNee, ich brauche keine, um die Träne, die ich Michael Glos nicht nachweine, nicht aus dem Augenwinkel zu wischen. Und außerdem bin ich der Meinung, dass es da, wo es Wahnwogen gibt, auch Anti-Wahnwogen, meinethalben auch Eu-Wahnwogen oder einfach Gutwogen genannt, geben muss. Die Welt an sich ist nicht nur schlecht, aber immer so, wie sie ist. Heute ist mit etwas widerfahren, von dem ich kurz berichten möchte. Ein Hoffnungsschimmer, eine Gutwoge. (Ich glaube, dies ist die erste ihrer Art, die hier gebloggt wird.)

Der Titel ist Programm: Es geht um Taschentücher. Genauer gesagt: Um die aus Papier, manche nennen sie auch Tempo (R), dem bekanntesten Markennamen folgend. Und die haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie fehlen meistens dann, wenn man sie am nötigsten hat. Gut, nein, schlecht natürlich, aber was sagt doch Murphys Law? „Shit happens.“

Im heutigen Falle eher: Noserunning happens. Aber der Reihe nach.

Ich sitze mit meinen Jungs im Bus Richtung Bergedorf. (Wer jetzt nicht weiß, wo Bergedorf liegt, der frage mal Beule von Ost Ole von Beust, seines Zeichens 1. Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, der vor einigen Jahren im Wahlkampf eine Veranstaltung in „Bergedorf bei Hamburg“ abhielt.)

Ich also im Bus, immer noch. Der Jüngste nimmt sich das Brot des Großen aus dem Ranzen, leider ist er zuweilen ungeschickt, und so rutscht ihm der Putenbrust-Käse-Belag vom Brot und landet auf dem Boden. Ich hatte noch genau ein Taschentuch, während zwei Nasen liefen. Die Blicke der anderen Fahrgäste ruhten auf uns. Was macht der jetzt? Hebt er das auf? Lässt er es liegen?

Nachdem ich meinem Sohn kurz erklärt habe, dass nun das letzte Taschentuch für die Beseitung seines Missgeschicks herhalten muss und ich  nicht wirklich froh über die Aktion bin, hob ich die zerschellte Masse auf. (Ach, habe ich die Mayonnaise erwähnt?) Und hatte nicht gerade die bestgelaunteste Mine aufgelegt.

Beim Aussteigen dann ereilte mich die Gutwoge unerwartet in voller Breitseite: Eine ältere Dame steuerte mich von hinten an, derweil ich nur den Mülleimer im Blick hatte, um mich des unansehnlichen Fleisch-Milchprodukte-Konglomerats zu entledigen. Lächelte, drückte mir eine Packung Taschentücher in die Hand („Damit Sie noch ein paar in der Tasche haben!“) und verschwand.

Eine Gutwoge, die mich überraschte. Wirklich sprachlos machte. Fast zumindest. Irgendwas wie „Ähm… Dnkähm“ habe ich wohl gesagt.

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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Eine Antwort zu Taschentücher

  1. Pingback: Eine Gutwoge, eine Gutwoge! « Wahnwogen

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