Arbeitsverweigerung – Glos: Sechs, Setzen!

Man sollte meinen, dass ein Politiker sich schon durch seine Mitgliedschaft in der CSU komplett disqualifiziert. Nein, Herr Glos hat den Vogel abgeschossen: Sich selbst. Nicht jedoch, ohne einen enormen Flurschaden bei Merkel und Seehofer anzurichten. Den Nachrichten nach sogar in purer Absicht. Aber Eines nach dem Anderen:

Auch in einer großen Koalition musste es CSU-Präsenz geben – der Proporz gab dies vor. Von seiner Vereidigung bis zum Angebot seines Rücktritts hat man nicht viel von ihm wahrgenommen. Als sei die Wirtschaftskrise nicht etwas, das nicht in das Ressort des Wirtschaftsministeriums fiele, fiel er durch völlige Aktivitätsfreiheit auf. Merkel und Steinbrück waren die Aktiven, die den Staat in Zeiten der Krise um die wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit beraubten. Wer Einspruch vom „Wirtschaftspolitiker“ Glos erhoffte, wurde (natürlich) enttäuscht. Das erste Mal in seiner Amtszeit, wo er zum Handeln aufgerufen war, handelte er – mit dem Angebot seines Rücktrittes.

Die Zitate sind vielzählig. Von „Null-Bock-Minister“ über „Schlaftablette auf zwei Beinen“ über „Michael Glos fehlt das Format seiner Vorgänger“ in DIE WELT will kein Mensch ein gutes Haar an ihm lassen – ihm, an dem Frau Merkel und Herr Seehofer gestern noch festhielten. Rückhaltlos, wie in der Politik üblich – für etwas weniger als einen Tag.

Merkel in gewohnter Duckpose zeigend, dass sie die Regierungsgeschäfte schon lange nicht mehr gestaltet (was ihre grundgesetzliche Aufgabe ist, ich darf an Artikel 65 GG erinnern), der weinerliche Seehofer stotterte sich von Interview zu Interview und aus dem Hut ziehen sie jemanden, der mit Wirtschaftspolitik bisher so gar nichts zu tun hatte.

Karl-Theodor zu Guttenberg klingt nach dem Namen von einem, der das Pulver erfunden hat, zumindest aber den Buchdruck. Nein, eigentlich müsste man ihn vorstellen als

Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg.

Wenn wir uns den jungen Mann ansehen, der sich da anschickt, das Wirtschaftsministerium zu führen, fällt uns also auf jeden Fall auf: Er hat den Längsten.  Und offensichtlich einen Sponsorenvertrag mit einem Haargel-Hersteller. Schließlich und Endlich ist diese Berufung die wirtschaftspolitische Bankrotterklärung einer CSU, die offensichtlich keinen Wirtschaftspolitiker mehr im Köcher zu haben scheint. Denn der „Frankenblitz“ ist keiner: „….Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss und Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für Abrüstung, Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle. Außerdem ist er Vorsitzender der Deutsch-BritischenParlamentariergruppe.“ (Wikipedia).

Will die CSU nicht zu einer „Partei der Verpisser“ werden, muss sich dringend etwas ändern. Erst Stoiber, der ein bisschen Minister werden wollte, dann Glos, der geht, wenn man ihn braucht. Was kommt jetzt? Ein Frankenblitz, der aus dem Wirtschaftsministerium Außenpolitik machen will?

Ralf

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