Morbus katholikus

mauerwerk-kreuz-kunstgriffWas ist nur bei den Katholiken los? Nicht, dass ich ein besonders frommer Mensch wäre, das nun wirklich nicht. Und aus Sicht der Katholischen Kirche bin ich als Mitglied der Evangelischen Kirche noch nicht einmal in einer Kirche, sondern einer Art Glaubensgemeinschaft. (Habe da übrigens kürzlich diese Seite entdeckt… „Welche Kritik gibt es an der evangelischen Kirche oder deren Anhänger?“… meines Erachtens fehlt da ein „n“ am Ende, aber gut… ich will jetzt auch nicht päpstlicher sein als der Papst… eigentlich will ich überhaupt  nicht päpstlich oder Papst sein.)

Aber ich bin Humanist, seit sehr langer Zeit aus vollster Überzeugung. Als solcher kann ich die Entscheidung des Papstes, einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren, nicht nachvollziehen. Dann heute aber noch diese Meldung.

Langsam glaube ich, die Pferde  gehen mit den Katholiken durch. Gut, nicht mit allen, das Mandat der Füße scheint ja zu funktionieren — zahlreiche Austritte sprechen für sich (1, 2).

Nun kommt da in Österreich so ein Bischof Wagner daher, der Kritik an sich abprallen lässt (eine gute Eigenschaft, gerade in so einem Amt), der Harry P. für Satanismus und die Zerstörung New Orleans durch Hurrikan Kathrina für eine Strafe Gottes hält, weil Abtreibungskliniken dabei dem Erdboden gleich gemacht worden sind, und behauptet, Homosexualität sei heilbar.

*UNGLÄUBIGES ÜBERGROSSES KOPFSCHÜTTELN * Mit Verlaub, aber wie soll die Menschheit eine Kirche, die sich mit solchen Vertretern schmückt, noch ernstnehmen? Ich bin zwar nicht schwul, aber wenn ich’s wäre, dann wär’s auch gut so. (In Anlehnung an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit.)

Neigungen, auch sexuelle, werden anders geprägt als schlechtes Benehmen bei Tisch oder die Angewohnheit, anderen ständig auf den Kopf zu hauen. Da kann man nicht mal eben mit ein paar Wochen Psychotherapie oder einer Einweisung in eine Besserungsanstalt etwas bewirken. Wozu auch? Wer legt fest, was normal ist? Wer möchte sich das anmaßen in Bereichen, die als privat zu bezeichnen sind und im Regelfall nicht das Wohlergehen anderer beschneiden? Als störend kann das nur jemand enpfinden, der sich davon gestört fühlen möchte. Oder sind Fälle überliefert, in denen der Anblick eines schwulen oder lesbischen Paares zu Hirnfäule oder herausgefallenen Augen geführt haben?

Zwar wurden die Krankheitsschlüssel (die sogenannten ICD), die Homosexualität als psychische Erkrankung deklarierten, erst Anfang der 90er Jahre endgültig gestrichen, aber: Immerhin wurden sie gestrichen, teilweise verbunden mit einer Entschuldigung.

Im Zusammenhang mit Homosexualität noch eine Aussage, die von Richard Williamson, dem Holocaust-leugnenden Bischof, sicherlich ebenfalls geleugnet würde: Menschen jüdischen Glaubens stellten zwar sicherlich die größte Fraktion unter den Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahnsinns, aber es gab noch andere Gruppen, die unter der Diktatur von Adolf H. (O-Ton einer Nachbarin: „Der schwachsinnige Österreicher„) zu leiden hatten, unter ihnen auch Schwule. Die katholische Kirche, zumindest in Teilen, grenzt die Opfer von damals noch immer aus. (Zur zwiespältigen Rolle der Kirchen sei dieser Beitrag des Deutschen Historischen Museums empfohlen.)

Ach, und wo wir gerade dabei sind: Sicherlich sind längst nicht alle Fälle von gleichgeschlechtlichen Übergriffen bekannt geworden, in denen katholische Würdenträger eine mehr als unrühmliche Rolle gespielt haben. Das Zölibat sollte diesbezüglich mal auf den Prüfstand.

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch dieser Artikel, den ich als sonntägliche Frühlektüre empfehlen und den Beitrag damit schließen möchte. Manchmal gelingt es den Wahnwogenden, einen unterhaltsam-plaudernden Tonfall zu finden, aber nicht bei allen Themen ist dies angebracht. Falls das moniert werden sollte, folgt jetzt und hier gleich die Entschuldigung. In diesem Sinne…

J.

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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5 Antworten zu Morbus katholikus

  1. olyly schreibt:

    Schwören die Evangelen nicht auf die Luther Bibel? Aus dessen Mund einst kam:
    „Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich. Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien.

    Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben. Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande…

    Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird.

    Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren…

    Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe…

    Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren…

    Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen…“
    (Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen)

  2. wahnwogen schreibt:

    @ olyly: Ja, tatsächlich war Luther anfänglich dem jüdische Glauben gegenüber tolerant, ja freundlich, später aber unversöhnlich und hasserfüllt. Obschon es außer einem politisch-religiösen Machtanspruch seinerseits dafür keine wirklichen Gründe gab. Im Grunde genommen wurden im Namen der Kirche / des Glaubens ganz allgemein unglaubliche Grausamkeiten begangen. Das begegnet einem an vielen Ecken und in vielen Religionen.
    Der Artikel sollte aber genau das: Zum Nachdenken, zur Diskussion anregen. Niemand hat Wahrheiten für sich gepachtet, aber das, was derzeit in der katholischen Kirche abläuft, bedarf einer Korrektur.
    Erst dann, wenn wir einen Zustand erreicht haben, der jeden so annimmt, wie er ist, werden wir in ruhigere Fahrwasser kommen.
    Ob Katholik, Moslem oder Hindu — in erster Linie sind wir alle MENSCHEN. Aber man frage nicht, wann diese Grabenkämpfe endlich überwunden sein werden. Ich habe keinen blassen Schimmer.

  3. olyly schreibt:

    Hey, wahnwogen:
    Diese Zeiten würden erst dann kommen, wenn es keine Religionen mehr gäbe. Denn die sind es, die die Menschen in Klassen einteilen. Es ist dieser Absolutheitsanspruch, der den monotheistischen Religionen innewohnt. Und immer wieder zu Gewalt anstachelt. Sowohl früher als auch heute passieren nicht nur aus dem Islam heraus üble Dinge. Es gibt immer noch christliche Missionare, die Naturvölker zu ihrem Glauben „bekehren“ wollen. Notfalls mit Gewalt. Erkundige Dich!

  4. wahnwogen schreibt:

    @ olyly: Ja, das kommt in etwa dem nah, was ich damit aussagen wollte.

    Ob Katholik, Moslem oder Hindu — in erster Linie sind wir alle MENSCHEN. Aber man frage nicht, wann diese Grabenkämpfe endlich überwunden sein werden. Ich habe keinen blassen Schimmer.

    Ganze Kriege wurden im Namen der Religion geführt, der Djihad ist nur einer unter vielen. Religion bedeutet immer auch, wie du es schon richtig formuliertest: Absolutheitsanspruch. Die Bestrebungen der Evagelikalen sind im Übrigen in ihrer Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen.

  5. Pingback: Kondome und der heilige Stuhl « Wahnwogen

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