Der Papst und fragwürdige Entscheidungen

mauerwerk-kreuz-kunstgriffEigentlich kann mensch sich mit diesem Thema nur in die Nesseln setzen. Aber irgendwo ist es eine wahnwoge, die genau hier ihren Platz hat, obschon sie nicht lustig ist. Ganz und garnicht lustig, um genau zu sein.

Worum es geht, dürfte hinlänglich bekannt sein. Eine mehr als zweifelhafte Handlung des Papstes.

WIR SIND PAPST!„, titelte die BILD, nicht ohne einen gewissen Stolz. Ist ja auch nicht so schlecht: Ein Deutscher auf einem der angesehnsten Posten der Welt. Krisen- und zukunftssicher, weil keiner im eigentlichen Sinne demokratischen Wahl unterworfen, ist man Papst bis zur Neige. Und wenn man dann noch die Hand ausstreckt, eine Art Kuschelkurs fährt, ist das an sich auch nicht verkehrt. Integration statt Ausgrenzung. (Wie war das gleich noch mit dem Umgang der katholischen Kirche mit Schwulen und Lesben? … Andere Baustelle, stimmt.) Dieser Papst, bekannt unter dem Pseudonym Benedikt XVI., hat Richard Williamson, ehedem exkommuniziert wegen eindeutiger Verleugnung des Holocaust, nun de facto rehabilitiert. Das erzürnt viele Menschen weltweit. Zu Recht!

Heute sagt der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, Papst Benedikt XVI. hätte von der Position, die Richard Williamson, Brite und Bischof der Piusbruderschaft vertritt, keinen blassen Schimmer gehabt. Ja, hat der Mann denn keine Berater? Angeblich ist Benedikt doch ein Intellektueller, belesen, gebildet — dem macht man so schnell kein X für ein U vor, sollte man meinen. Und dann trifft dieser Mann eine solche Entscheidung.

So was kommt dann dabei heraus: Die entsprechenden Kreise jubeln! Ein ziemlicher Fauxpax, der „WIR SIND PAPST“ da unterlaufen ist. (Wenn die BILD schon nicht die Regeln der Grammatik einhalten muss, warum sollen die wahnwogenden es dann tun?)

Was die wahnwogenden ja mal interessieren würde: SOLL DER PAPST DIE ENTSCHEIDUNG RÜCKGÄNGIG MACHEN? Darüber könnte man ja mal diskutieren. Zum Beispiel hier, in den Kommentaren. Wir sind gespannt.

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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3 Antworten zu Der Papst und fragwürdige Entscheidungen

  1. Seotonie schreibt:

    Wenn Williamson seine Worte (die Leugnung) nicht zurücknimmt, MUSS der Papst seine Entscheidung rückgängig machen. Er wird auch keine andere Möglichkeit haben, da der Druck extrem ansteigen wird.
    Vermutlich wird er es dann auch bald tun…
    Mal schauen.

  2. Ralf schreibt:

    Man sollte noch den erzkonservativen Touch der Schlagzeile „WIR SIND PAPST“ betonen.

    Wer soll denn bitteschön eine Kirche ernst nehmen, in der so etwas unwichtiges wie Nationalitäten eine Rolle spielt?

    Ralf

  3. wahnwogen schreibt:

    @ Seatonie: Das denke ich auch. Williamson wird die Worte nicht zurücknehmen, dafür entsprechen sie zu sehr dem Naturell der Gruppierung, der er angehört. Erzkonservativ bis ins Mark. Der Papst muss reagieren.
    @ Ralf: Die katholische Kirche disqualifiziert sich m.E. an verschiedenen Ecken. Entscheidungen, die an Realitäten vorbeigehen. Aber so eine Nummer wie jetzt hätte nie passieren dürfen. Mal ganz abgesehen davon: Ich lehne zwar jede Kollektivschuld der Deutschen ab, denke aber, dass wir ein ganz besonderes Gespür für rechte Tendenzen haben sollten, ein besonders wachsames Auge. (Das klappt nicht immer, sieht man ja auch bei uns vor der Haustür, aber eine exponierte Person der Zeitgeschichte, angeblich hochintellektuell, muss jede öffentlichkeitswirksame Entscheidung mehrfach überdenken.) Ratzinger ist Deutscher, und gerade die Diskussion über diese Entscheidung wird nicht von seiner Nationalität abzukoppeln sein. Auch dessen hätte er sich bewusst sein müssen.

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