You can’t compete with a well written text

Ein Kaffee, frisch aus der Senseo-Maschine. Die Aussicht auf einen freien Tag beflügelt. Wetteraussichten: Lesen Sie in aller Ruhe Weblogs, draußen verpassen Sie nichts. So weit, so gut.

Wenn man — wie ich — weitgehend ohne Mobiltelefone und Computer aufgewachsen ist, hat man vermutlich eine noch anhängige natürliche Affinität zum gedruckten Wort. Auf Papier, versteht sich. (Sonst wär’s ja nicht gedruckt.) Die sinnliche Komponente der haptischen Wahrnehmung von Papier mag vielen heutzutage vielleicht abgehen, aber bei mir schlägt sie immer wieder voll durch.

Ach ja, selbstredend schätze ich die Aktualität des Moments im Netz. Eben noch in einer Seitenstraße von Bottrop, jetzt schon um den Globus gereist. Trotzdem lese ich Tageszeitungen. Und hernach — ein ganz besonderes Vergnügen! — werden Fragmente herausgetrennt. Fundstücke, intelligent, witzig oder zum Nachdenken anregend. Die wandern zusammengefaltet in die Hosentasche (wo sie die nächste Wäsche nicht wirklich überstehen) oder in meinen Filofax (wo die Chance ungleich größer ist, einer Zweitverwertung zugeführt zu werden).

So saß ich eben mit dem File of Facts auf dem Sofa, irgendwie schlaflos, und blätterte. Und siehe, ein kleiner Ausriß fiel mir in die Hände, auf dem nur ein Satz stand:

„You can’t compete with a well written text.“

Verfasser: Georg von Holtzbrinck, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Ein kleiner, feiner Satz. Habe es mal eben gegoogelt — und das Zitat scheint selbst der allwissenden eierlegenden Wollmilchsau Internet unbekannt zu sein. Dabei ist es ein fürwahr wunderbares und wahres Zitat. Offenbar kaum herumgekommen in der Welt. Wo ich es gefunden habe, ist nicht nachvollziehbar. Aber gut ist es trotzdem.

Bei meinen Schwiegereltern, beide Lehrer, hängt ein Spruch an der Wand, aufgemacht in Form der Warnhinweise auf Zigarettenschachteln, der recht gut zum Holtzbrinck’schen Ausspruch passt:

„Lesen gefährdet die Dummheit.“

Naturgemäß mag der Mensch nur well gewrittene texts lesen. Wir alle haben uns in der Schule mit völlig uninteressanten Büchern und Texten herumschlagen müssen. Auch im Studium begegnet man Kandidaten aus der Kategorie „Muß ich das jetzt wirklich lesen?“. Privat aber haben wir immer noch die Wahl. Mit der Hoffnung verbunden, dass unsere Wahnwogen in Zukunft vielleicht auch bei Euch/Ihnen zu eben diesen Texten gezählt werden dürfen, verbleibe ich

mit wahnwogenden Grüßen

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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