Krise als Chance

Gefahr und Chance zugleich (chinesisches Schriftzeichen)
Krise

Wir wollen diese Krise als Chance nutzen.“ Sagt Merkel.

Ganz davon abgesehen, dass es bis dato den Anschein hatte, dass unsere Regierung den Begriff „Krisenmanagement“ gründlich missverstanden** hat, spricht sie heute bei der Vorstellung des 2. Konjunkturpaketes von der Krise als Chance, was man in Fernost schon lange kennt. Und Horst „Hotte“ K., höchster bundesrepublikanischer Repräsentant, bemühte dieses Bild ebenfalls kürzlich.

Im Chinesischen setzt sich das Schriftzeichen für Krise aus den beiden Anteilen Gefahr und Chance zusammen, und dass schon um ein Vielfaches länger, als es diese Krise, Frau Merkel und die Bundesrepublik Deutschland gibt. (Allerdings haben die Japaner diese Erkenntnis nach China gebracht, das nur der Vollständigkeit halber.)

Übertragen auf das Leben als solches ist die Erkenntnis schon länger bekannt. „Wie der Phoenix aus der Asche…“ „Jedem Ende wohnt ein Anfang inne.“

Ja, sie hat Recht, unsere Frau Merkel. Es wäre wirklich die Chance, mal einige Dinge anders zu gestalten. Viele Jahrzehnte lang fuhr die Marktwirtschaft satte Gewinne ein, zuletzt zunehmend globaler. Renditefixierung war wichtiger als das Wohl der Menschen, die sie erwirtschafteten. Eigentlich hätte jeder erkennen können, ja müssen, dass eine Aufwärtsspirale sich nicht endlos fortsetzen kann. Alles hat eine Determinante, auch die freie Marktwirtschaft und das Kapital. Insbesondere das.

OsterWesterwelle und die Liberalen sind so gesehen die vermutlich letzten ihrer Art: vehementen Verfechter eines Liberalismus, eines Marktes, der sich nahezu unkontrolliert allein nach eigenen Gesetzmäßigkeiten zu richten scheint. Die anderen wollen wieder mehr Staat. Die Mutter der Nation mit ihren Getreuen soll es richten. Zumindest in regulatorischer Hinsicht mag das auch sinnvoll sein.

Die Berufsoptimisten von der Regierungsbank sähen selbstredend am liebsten, dass wir lachend in die Rezession schliddern. Nichts ist so schlecht, dass man es nicht auch ein bisschen schönreden könnte.
Möglicherweise sollen wir die Krise als Chance verstehen, mal drunt‘ im Tal zu schauen, ob da immer noch das kleine Ottili sitzt. Einen unbeschreitbaren Vorteil hat die Krise: Es kann nur besser werden und wieder aufwärts gehen. Ach, es gibt noch einen: Die Zahl der Hedge-Fonds wird sinken.

Was waren das mal für Zeiten! (Damals, als wir noch einen Kaiser hatten.) Ehrbare Kaufleute, die sich um ihren Betrieb, ihre Angestellten und ihre Waren sorgten und kümmerten. Als Heuschrecken das waren, was sie eigentlich sein sollten: Insekten mit kurzen oder langen Fühlern.

Neulich googelte ich mal vor mich hin, um für Insektenfotos zu recherchieren. Landete (unvermeidlicher-, aber auch glücklicherweise) irgendwann bei Wikipedia, und entdeckte das hier. Da hat „Heißes Herz und klare Kante! Das riecht nach Schweiß und Anstrengung. Aber das ist besser als Hose voll.“-Müntefering ja was angerichtet! Verglichen mit dem, was wir momentan erleben, verliert so eine Heuschreckenplage, immerhin eine der biblischen, ja regelrecht an Bedeutung.

** Ein Krankenhausmanagement kümmert sich um die Belange eines Hospitals — ohne dieses zu beseitigen,
im Gegenteil: Es soll prosperieren. Ein Personalmanagement tut selbiges für die Mitarbeiter —
im Regelfall auch, ohne ihnen den Garaus zu machen.
Und das Krisenmanagement der Kanzlerin? Ist eigentlich sehr gelungen — sie verwaltet die Krise gut, der mangelt es an nichts…

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Über kunstGRIFF

Vater, Ehemann, Hundemensch, Dozent, Fotograf & bekennender Castor-Gegner mit Hang zu allerlei, zur Gitarre zum Beispiel oder zur Hühnerherde oder zum eigenen Kompost. Mag Bücher und Eichhörnchen. Und Katzen, zumindest zeitweise. Und den FC St. Pauli, obwohl diese Beziehung in letzter Zeit einige Dellen aufweist. Wurde vor Jahren aus Hamburg ins wendländische Gemüse gezerrt und zur Landpomeranze gemacht, wandert aber demnächst aus dem Wendland wieder aus. Die Wassermühle in Tangsehl war einfach zu anmutig, um sie zu ignorieren.
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